„So war das nicht gemeint“: Wenn Wirkung und Absicht in Konflikten auseinanderfallen
- darijatokalic

- 15. Apr.
- 1 Min. Lesezeit
Viele Konflikte entstehen nicht nur durch das, was gesagt wurde, sondern vor allem durch das, was bei der anderen Person ankommt. Ein Satz kann sachlich gemeint sein und dennoch verletzend wirken. Eine Bemerkung kann als Hilfe gedacht sein und trotzdem Kritik auslösen. Genau an dieser Stelle beginnt oft die Eskalation.
Der eine sagt: „So war das nicht gemeint.“
Die andere denkt: „Aber so ist es bei mir angekommen.“
Beides kann gleichzeitig gelten.
In Konflikten prallen häufig Absicht und Wirkung aufeinander. Die sprechende Person fühlt sich missverstanden, weil sie nichts Böses wollte. Die hörende Person fühlt sich verletzt, weil die Wirkung real ist. Unabhängig von der ursprünglichen Absicht. Wenn dann nur noch darüber gestritten wird, wer recht hat, geht der eigentliche Kontakt verloren.
Für Verständigung ist deshalb ein Perspektivwechsel wichtig: Nicht nur „Was wollte ich sagen?", sondern auch „Was ist bei der anderen Person angekommen?“
Und umgekehrt nicht nur „Wie hat es auf mich gewirkt?“, sondern auch „Was könnte gemeint gewesen sein?“
Mediation schafft genau für diesen Zwischenraum einen sicheren Rahmen. Hier dürfen alle Seiten sichtbar werden: die eigene innere Logik, die Verletzung, die Absicht und das Missverständnis.
Entlastung entsteht bereits, wenn Menschen erleben: Ich werde mit meiner Wirkung ernst genommen und ich werde mit meiner Absicht nicht vorschnell verurteilt.
Denn Verständigung beginnt dort, wo wir aufhören, nur unsere Absicht zu verteidigen oder nur die Wirkung zu betonen. Sie beginnt mit der Bereitschaft, beides nebeneinander stehen zu lassen.